Sokrates nannte sich eine Hebamme: Seine Kunst sei es, anderen zu helfen, ihre Gedanken zur Welt zu bringen. Das Feine daran – das Entscheidende hatte er von zwei Frauen gelernt. Seine Mutter Phainarete war Hebamme; und im «Symposion» gesteht er, die Seherin Diotima habe ihn gelehrt, was Zeugung im Geistigen heisst. Der berühmte Denker: ein Zwischenträger weiblicher Weisheit.
Am Abend des Samstags, 29. August, in der Paulusakademie kehrte das Bild dorthin zurück, wohin es gehört. Zehn Frauen, auf das Erreichte stolz, haben ihre katechetische Ausbildung abgeschlossen – und damit ist ihnen anvertraut, was Sokrates meinte. Katechetinnen verordnen keinen Glauben und fragen auch keinen ab, sie stehen bei, wenn er geboren wird – ein Glaube, den sie nicht selber machen, sondern der als Geschenk von aussen kommt. Wie eine Hebamme schaffen sie den Raum, in dem er zur Welt kommen darf – bis Christus Gestalt gewinnt (vgl. Gal 4,19). Dafür sind Pfarreien da: er ist ihr Herzstück.
Was diese Frauen über die Jahre getragen hat, war der Zusammenhalt: das gegenseitige Helfen, das Füreinander. Und Dozentinnen, die ihnen ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergaben – weibliche Weisheit, die weiterwandert, von Diotima bis in die Schulzimmer von morgen. Bei dieser Feier hat man es deutlich gespürt. Genau diesen Halt wünschen wir ihnen auch weiterhin – denn wer andere begleitet, braucht selber Begleitung.
Wir wünschen ihnen, dass sie – nun ausgesandt – vielen Menschen die Augen öffnen für einen Glauben, der Spuren legt im Leben und trägt, und dass sie als Hebammen guten Boden finden. Phainarete hätte ihre Freude an ihnen gehabt.

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