Lebendige Katechese trotz oder gerade wegen Corona!

| © Barbara Bartl

Daheimbleiben, solidarisch sein, warten – das hinterlässt Spuren…

Wie lange noch? Diese Frage brennt nun seit Wochen, ja Monaten, vielen unter den Nägeln. Auch in der Katechese stellen wir uns diese Frage. Unsere Wohnungen und Häuser gleichen Archen im «Corona-Sturm», die Kirchen sind verwaist. Wir halten durch, mit Fernunterricht und online Gottesdiensten und warten darauf, dass die Flut der Viren zurückgeht, wir wieder Land sehen. Wir warten, so wie Noah auf der Arche und umhegen alle, die uns anvertraut sind mit Arbeitsblättern, Bibelstellen und Videos. Wir warten auf die «Taube mit dem Ölzweig», auf grünes Licht, auf ein Zeichen der Hoffnung, dass unser Leben und Arbeiten wieder normal weitergehen kann. Viele in der Katechese sehnen sich danach, die Schüler und Schülerinnen wieder normal in den Pfarreien begrüssen zu dürfen, gemeinsam «Kirchenluft» zu schnuppern. Doch was ist heute schon normal? Auf welches «Normal» müssen wir uns vorbereiten? Wer werden die Überbringer der frohen Botschaft, vom Ende des Corona-Krise sein? Die Virologen des BAG? Die Politiker und Wirtschaftsexperten? Der Wirt von nebenan? Wem kann und wem darf man glauben? Glauben ist das neue Wissen, in Zeiten, wo auch die Wissenschaft im Trüben fischt. Und wo bleibt der Glaube an Gott in dieser Zeit? Wie kann die Katechese Menschen jeden Alters in der Corona-Krise Brücken zu Gott bauen? Mit Patentrezepten kommen wir hier nicht weiter, es braucht eine neue Nähe, gerade in Zeiten der verordneten Ferne.

Glauben leben, theologisieren und philosophieren – geht das aus der Ferne oder nur ganz nah?

Viele Kirchengemeinden haben sich der Herausforderung gestellt, Kinder und Jugendliche auch in Corona-Zeiten mit Inhalten aus dem konfessionellen Religionsunterricht zu begleiten. Apps wurden entwickelt, Videos gedreht, online Gottesdienste für Kinder auf Webseiten aufgeschaltet. Corona macht nicht nur krank, sondern auch kreativ! Für viele Kinder und Jugendliche war es ein Aha- Erlebnis, dass Kirche und Katechese auch «modern» sein können und im Unterricht die «Zeichen der Zeit» nun in vielen Bereichen medial auf der Höhe der Zeit erkannt und aufgenommen werden. Das hat ein neues Kirchenbild ergeben, an dem es sich lohnt weiterzuarbeiten. Doch nach der ersten digitalen Euphorie kommt jetzt der «Kater». Kinder sind müde und klagen über Kopfschmerzen von der vielen Präsenzzeit vor dem Computer, Katechetinnen und Katecheten vermissen Gemeinschaftserfahrungen. So wurden zu Ostern Karten verschickt, Materialmappen mit Palmzweigen und Schokoeiern verteilt und telefoniert bis die Leitungen glühten. Menschen sind nicht wirklich gut als digitale und virtuelle Wesen, sondern brauchen Ansprache, analog und sehr real. Wir möchten Dinge mit allen Sinnen be-greifen, uns austauschen und spüren – gerade, wenn es um Religion und Glauben geht. Die Beziehung zu Gott läuft auch und vor allem über die Beziehung zu Menschen. Beziehungen können wir digital pflegen, das hat uns in den Monaten der Corona-Krise gerettet und zusammengehalten. Wir können die Beziehungen zu Gott digital aber nur schwer aufbauen und vertiefen, dazu braucht es die «Hardware Mensch» und die Interaktion mit anderen im realen Leben.

«Katechese digital» – ein Mittel zur Überbrückung zeigt neue Wege im Religions-unterricht auf

Aus jeder Krise geht man gestärkt und mit erweitertem Horizont hervor, das haben die alten Griechen erkannt und wir lernen es nun neu mit Corona. Was kann der Religionsunterricht Gewinnbringendes aus der Corona-Zeit mitnehmen? Sicher eine neue und geschärfte Wahrnehmung der Bedürfnisse und Erwartungen, die Kinder, Jugendliche und deren Familien an den konfessionellen Religionsunterricht haben. Durch die Corona-Zeit haben viele Katechetinnen und Katecheten einen echten und lebensnahen Einblick in die Familien- und Schulsituation ihrer Schülerinnen und Schüler bekommen. Über Ferne ist Nähe entstanden, man hat sich neu und besser kennengelernt. Für viele Kinder und Jugendliche war es positiv, in schwierigen Zeiten an Inhalten des Religionsunterrichtes zu arbeiten und daraus Kraft zu schöpfen und zwar nicht nur zur Unti-Zeit, sondern immer dann, wann sie sich Zeit dafür nehmen wollten und aufnahmefähig waren. Neue methodische Mittel haben den Religionsunterricht vielfältiger und für viele Kinder und Jugendliche attraktiver gemacht. Diese neuen Kanäle und Facetten in der Katechese gilt es zu bewahren und zu integrieren.

Die gegenwärtige Corona-Krise schafft für die Katechese von morgen mehr Vielfalt und individuellere Angebote

Wie geht es jetzt weiter? Werden wir nach Beendigung der Corona-Krise wieder in den Alltag, das heisst zum Unterrichtsmodell vor Corona zurückkehren? Wird alles Neue in der Schublade «Corona-Erfahrung» archiviert werden? Das wäre schade! Das wäre fatal! Wir gehen im Moment davon aus, dass die Corona-Krise unser Leben und Arbeiten nicht nur heute, sondern auch in Zukunft nachhaltig verändern wird, auch in der Katechese. Es zeichnet sich ein Wertewandel ab. Heldenrollen werden neu besetzt, Normen überdacht. Solidarität und Nächstenliebe haben eine neue, ganz reale Bedeutung bekommen. Christliche Werte haben wieder Gewicht, nun gilt es diesen Trend in der Katechese und im konfessionellen Religionsunterricht aufzunehmen. Unser Leben wird ortsgebundener werden, seien wir als Kirche vor Ort bei den Menschen. Auf der anderen Seite wird die Vernetzung mit anderen noch mehr als bisher digital und über soziale Medien erfolgen. Wenn Katechese auch in Zukunft Menschen, Jung und Alt, erreichen will, dann wird sie dieser Entwicklung Rechnung tragen müssen. Das Sprechen über Religion, der Austausch über Gott und Welt, Sinnsuche und Spiritualität sind Grundbedürfnisse des Menschen. Wollen wir in der Katechese unsere «Zielgruppe Mensch» erreichen, dann sind wir gefordert, vielfältige Begegnungsräume zu schaffen. Im Religionsunterricht in der Pfarrei, im Gottesdienst, im persönlichen Gespräch, aber auch über alternative digitale Angebote, online und auf den sozialen Medien. Gott hat uns zugesagt, er geht mit – auch ins World Wide Web. Halten wir Schritt und werden wir immer neu eine Kirche von Menschen für Menschen, wo immer sie sich in seinem Namen versammeln.

Barbara Bartl